Wenn Trauer, Schuldgefühle und neues Glück aufeinandertreffen

Trauer und neues Glück liegen oft sehr dicht beieinander.

„Ich bin doch kein Fall für den Psychologen“

Mit diesen Worten setzte sich ein Mann zu mir auf die Gedankenbank.

Ein Witwer zwischen Vergangenheit und Zukunft

Der Mann, nennen wir ihn Stefan, hat im vergangenen Mai seine Frau zu Grabe getragen.
Fünf Jahre lang durchlitten sie gemeinsam die Höhen und Tiefen ihrer Krebserkrankung.

Stefan und Sabine (Name frei erfunden) genossen seit der Diagnose jeden einzelnen Tag, jede Jahreszeit, jeden Urlaub, jede Feier – immer mit dem leisen Wissen: Es könnte das letzte Mal sein.

Fast wehmütig erzählte mir Stefan, dass diese fünf Jahre der Krankheit im Rückblick die intensivsten und schönsten ihrer Ehe gewesen seien.

Im Mai kam dann – trotz aller Hoffnung – das Ende ihrer gemeinsamen Zeit.
Stefan ist gerade einmal 57 Jahre alt und nun Witwer.

Der Geber, der sich selbst vergaß

In seiner Ehe war Stefan stets mehr der Geber als der Nehmer.
Es machte ihn glücklich, Sabine ein schönes Leben zu bereiten.

Im Oktober traf er beim Einkaufen zufällig seine erste Liebe wieder. Die Freude war auf beiden Seiten groß. Man verabredete sich auf einen Kaffee. Aus einem Kaffee wurden zwei.
Und plötzlich war da wieder dieses vertraute Gefühl.

Kerstin (auch dieser Name ist frei erfunden) öffnete Stefan die Augen, so erzählte er mir.
Er hatte sich immer für den „Geber-Typen“ gehalten – erkannte jedoch, dass er sich selbst dabei oft zurückgenommen hatte.
Kerstin sah ihn wirklich. Sie nahm ihn ernst. Sie war interessiert an ihm, nicht nur an dem, was er gab.

Zwischen den beiden entwickelte sich eine zarte Verbindung.

Darf ein Witwer wieder glücklich sein?

Und doch zerreißt es Stefan innerlich fast.

„Darf ich mich nach nicht einmal sechs Monaten mit einer anderen Frau treffen?
Darf ich wieder glücklich sein, obwohl Sabine erst so kurz tot ist?
Was denken die anderen von mir?
Und wie reagieren Sabines Kinder – meine Stiefkinder, 26 und 28 Jahre alt?“

Stefan schwankte extrem zwischen
„Ja, ich darf glücklich sein.“
und
„Die Leute denken bestimmt, dass ich Sabine nicht geliebt habe.“

Er erzählte mir von seiner Ehe, von Krisen, tiefer Verbundenheit und wunderschönen Urlauben.
In jedem Wort lag Liebe. Und die Gewissheit, dass Sabine immer einen Platz in seinem Herzen haben wird.

Immer wieder fiel der Satz:
„Aber mein Leben ist doch noch nicht vorbei. Ich bin doch nicht mit Sabine gestorben.
Ihr Tod hat doch nichts mit meiner Zukunft zu tun.“

Je öfter Stefan diesen Satz wiederholte, desto fester wurde seine Stimme.
Fast so, als müsse er sich selbst davon überzeugen.

Am Ende sagte er ruhig und überzeugt:
„Ja, ich bin es wert, dass es mir gut geht. Und wenn ich Kerstin in meinem Leben möchte, dann ist das so.“

Genau dafür gibt es die Gedankenbank

Für Themen, die scheinbar zu klein für einen Therapeuten sind –
die aber dennoch schwer auf der Seele lasten.
Gedanken, die nachts wachhalten und das Gedankenkarussell nicht stoppen lassen.

Es ist so berührend zu erleben, wie durch ehrliches Zuhören Klarheit entsteht.
Wie Menschen aufrecht gehen, befreit wirken, wieder Mut und Zuversicht spüren.

Kein Thema ist zu klein oder unwichtig, wenn du dich nicht wohlfühlst.

Ich empfehle dir auch meinen Artikel: Gefühl der Einsamkeit

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